Es bestehen keine Zweifel mehr: Das Weltklima gerät aus den Fugen und immer mehr Menschen werden zu Opfern der sich ändernden Wetterverhältnisse. Um die Folgen des Klimawandels so gering wie möglich zu halten, soll die Aufheizung der Atmosphäre auf zwei Grad Celsius begrenzt werden. Auf der Klimakonferenz in Paris beraten Regierungsvertreter aus 147 Nationen derzeit darüber, wie dieser Schritt gelingen kann. Vor allem Entwicklungsländer mahnen zur Eile.

Klimakonferenz Eisschollen Eisbären

Die globale Erwärmung hat Folgen für Mensch, Natur und Tier (c) iStock.com / Josef Friedhuber

Zwei-Grad-Ziel: Klimakonferenz soll Erderwärmung drosseln

Bei dem an sich schon ehrgeizigen Zwei-Grad-Ziel auf der Klimakonferenz handelt es sich um einen willkürlichen Wert, der die Folgen der Erderwärmung auf ein moderates Maß begrenzen soll. Das kann anerkanntermaßen nur gelingen, wenn der Mensch den Ausstoß klimaschädlicher Gase deutlich reduziert – und das bei gleichzeitig ansteigender Weltbevölkerung. Die UN-Klimakonferenz soll Maßnahmen vereinbaren, die das Erreichen des Zwei-Grad-Ziels ermöglichen. Dabei sind alle Staaten vertreten, die auch Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen sind – und das trifft beinahe auf alle UN-Mitglieder zu.

Entwicklungsländer besonders stark betroffen

Die Klimakonferenz, die korrekt eigentlich als Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention bezeichnet wird, findet seit 1995 statt. Allein diese Tatsache zeigt, wie lange das Problem des sich ändernden Weltklimas bereits auf höchster Ebene besprochen wird. Die Kritik an der Klimakonferenz besteht vor allem darin, dass der Klimagipfel bisher noch keine verbindlichen Ergebnisse geliefert hat – mit Ausnahme des Kyoto-Protokolls, welches aber unter anderem nicht durch die USA ratifiziert wurde. Bisher wurden auf der Klimakonferenz in den vergangenen Jahren vor allem unverbindliche Absprachen getroffen, an die sich die Mitgliedsstaaten häufig nicht halten. Die Hoffnung für die Klimakonferenz 2015 besteht darin, dass endlich bindende Maßnahmen vertraglich festgelegt werden. Einer der Hauptkonflikte liegt darin, dass die Entwicklungsländer, die besonders durch den Klimawandel getroffen werden, zumeist arm sind. Demgegenüber besteht der größte Handlungsbedarf beim Thema Klimaschutz für die Industrieländer, weil sie die größten Mengen an Treibhausgasen ausstoßen.

Klimagipfel verteilt Lasten des Klimawandels

Konkret wird von der Klimakonferenz erwartet, dass die in Deutschland bereits forcierte Energiewende auch in anderen Staaten vollzogen wird. Um den CO2-Ausstoß zu verhindern, wird weniger Öl, Gas und Kohle verbrannt werden müssen. Diese fossilen Brennstoffe werden aber vordringlich zur Energieerzeugung verheizt. Außerdem wird es notwendig werden, viel Geld in den Schutz vor den Folgen des Klimawandels zu investieren: Höhere Deiche, Dämme oder der Schutz von Siedlungen vor Stürmen müssen finanziert werden. Der Klimakonferenz soll es gelingen, die dabei entstehenden Lasten fair zu verteilen – Entwicklungsländer können die Kosten kaum selbst übernehmen. Außerdem sind es die Industrieländer, die in vielen Jahrzehnten des ungebremsten Ausstoßes von CO2 dafür gesorgt haben, dass das Weltklima sich bereits um ein Grad erwärmt hat. Konkret soll auf der Klimakonferenz eine Dekarbonisierung, also der vollständige Verzicht von kohlenstoffbasierenden Energieträgern, bis zum Ende des Jahrhunderts vereinbart werden.

Industrieländer vor Umbruch: Klimakonferenz soll helfen

Klimakonferenz Erderwärmung Thermometer

Die EU kämpft als treibende Kraft der Klimapolitik um Ergebnisse auf der Klimakonferenz (c) iStock.com / oonal

Doch letztlich geht es nicht nur darum, einige Änderungen an der Energieversorgung vorzunehmen: Die Klimakonferenz stellt auch die Wachstumsmaxime der Marktwirtschaft infrage. Denn Wachstum ist, zumindest bisher, nur durch den Verbrauch weiterer Ressourcen zu erreichen gewesen. Die Frage, wie Wohlstand bei einer künftigen Reduktion des Verbrauchs gesichert werden kann, muss auf der Klimakonferenz ebenso beantwortet werden. Auch die Fragen von Frieden und Krieg werden indirekt auf dem Klimagipfel entschieden, denn die Änderung des Weltklimas kann zu Verteilungskämpfen führen. Klimaflüchtlinge werden vielleicht in wenigen Jahren so alltäglich sein, wie es Kriegsflüchtlinge heute schon sind. Auch die Flüchtlingspolitik treibt hierzu ihre Ermittlungen voran.

 

Klimakonferenz muss Ergebnisse liefern

Abgesehen von dem Handlungsdruck, den das Weltklima für die Klimakonferenz vorgibt, werden besonders auch durch Frankreichs Präsident François Hollande besondere Bemühungen erwartet. Der bisher eher glücklose Regierungschef wird Beobachtern zufolge sehr darum bemüht sein, dass die Erklärung vom Klimagipfel in Paris Gewicht haben wird – ansonsten könnte man ihm eine weitere Niederlage anlasten. Ähnlich ambitioniert ist der Standpunkt der Europäischen Union: Bis 2050 soll der Ausstoß karriereschädlicher Gase in den Industrienationen um 80 % bis 95 % verringert werden. Damit verfolgt die EU auf der Klimakonferenz unter den Industrieländern die ambitioniertesten Ziele und wird zur treibenden Kraft der Klimapolitik. Den Maßstab liefert dabei allerdings das Jahr 1990, wodurch ein Teil dieses Ziels bereits erreicht wurde. Letzteres war vor allem in der ersten Verpflichtungsperiode in den Jahren 2005 bis 2008 der Fall, als der CO2-Aussoß verbindlich verringert wurde. Ob Länder wie China, Russland oder die USA solchen Vereinbarungen auf der Klimakonferenz zustimmen, erscheint allerdings fraglich – Hoffnung scheint für den Klimagipfel dennoch angebracht.

Die EU auf der Klimakonferenz in Paris

Die EU zeigt sich ambitioniert in den ersten Tagen der Klimakonferenz. Zwar warnt sie gleichermaßen vor einem schwachen Abkommen, jedoch sieht sie optimistisch einer Vereinbarung entgegen. Indem Vertreter aus 196 Ländern und der EU ein neues internationales Klimaabkommen auszuhandeln haben, stellt sich für EU Organe die Frage, ob sich die Weltgemeinschaft auf eine langfristige Strategie einigen kann, den Klimakiller Kohlendioxid zu mindern. CO2 ist nach wie vor die größte Gefahr für die weitere Entwicklung der Erderwärmung. Diese unter zwei Grad zu halten, wird schwierig einzuhalten, so Cañete, EU-Klimakommissar in Brüssel. Umweltministerin Ségolène Royal verwies schließlich noch auf geopolitische Konsequenzen des Klimawandels und führte aus:

Diese Konferenz ist der wichtigste Friedensgipfel, der jemals organisiert wurde

Was bedeutet die Klimakonferenz für Europa und die Welt?

Die größte und wohl wichtigste Konferenz der Menschheitsgeschichte hat am 30. November 2015 begonnen. Auf dem 21. UN-Klimagipfel verhandeln Staatschefs von Europa und der UN darüber, wie viel CO2-Ausstoß reduziert werden soll. Bis Ende des Jahrhunderts dürfen auf der Erde nur noch ca. 1000 Gigatonnen CO2 in die Luft transportiert werden, damit das Zwei-Grad-Ziel der Klimakonferenz erreicht werden kann.

 

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