Gipfeltreffen haben eine lange Tradition. Spätestens als die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg in zwei Lager zerfiel, wird gegipfelt, was das Zeug hält. Die Themenpalette ist über die Jahre immer breiter geworden: Ging es in den Zeiten des Kalten Krieges fast ausschließlich um die Fragen der Sicherheit, um Aufrüstung (und Jahrzehnte später dann auch um Abrüstung) und das militärische Gleichgewicht zur Vermeidung eines Dritten Weltkrieges, sind die Themen auf den Gipfeltreffen heutzutage vor allem die (Welt-) Wirtschaft: internationaler Handel, Wachstum, Bankenregulierung oder Steuerflucht. Hinzu kommen Klimaschutz, Armut, Flüchtlingspolitik, Gesundheit, Konflikte (gemeint sind in der Regel Kriege) und natürlich nicht zuletzt das dringlichste Problem dieser Jahre: der Terrorismus.

Gipfeltreffen haben ihre Harmonie verloren

Gipfeltreffen-Elbphilharmonie-Hamburg

Das diesjährige G20 Gipfeltreffen fand in Hamburg statt (c) iStock.com / mh-fotos

Ein Gipfel jagt den nächsten: Gestern noch der G7 in Taormina, morgen der G20 in Hamburg. Vor gar nicht allzu langer Zeit liefen Gipfeltreffen wie folgt ab: Regierungschefs und/oder andere wichtige Minister kamen zusammen, um zu tagen und zu streiten, und am Ende des Gipfeltreffens unterschrieben alle eine Abschlusserklärung mit den vereinbarten Zielen und stellten sich freundlich lächelnd der Weltpresse für ein gemeinsames Foto, das die Einigkeit der Länder unterstrich. Diese Zeiten sind vorbei.

Erst keilte Russland aus, indem es sich an der Krim bediente, was bei der abgebenden Ukraine und der westlichen Welt für Empörung sorgte und für Putin und sein Land zahlreiche Sanktionen brachte. So kam es beim größten Gipfeltreffen G8 zum (vorläufigen) Ausschluss Russlands, so dass die G8 inzwischen wieder auf G7 geschrumpft sind.

Mit Donald Trump hat nun zudem ein Player die Bühne betreten, der die Gepflogenheiten internationaler Diplomatie ebenso ignoriert wie konterkariert und mit seinem „America First“ den Sinn internationaler Gipfel ad absurdum führt: Beschlüsse, die unter seinem Vorgänger Obama von den USA mitgetragen wurden, werden ohne jegliche Zugeständnisse einkassiert.

Die fehlende Harmonie zwischen den Teilnehmern der Gipfeltreffen setzt sich vor den Türen der Konferenzen nahtlos fort: Gegner der Folgen der Globalisierung bevölkern die Gastgeber-Städte der Gipfel und demonstrieren zum Beispiel gegen die unzureichenden Maßnahmen gegen Fluchtursachen aus Krisen- und Kriegsgebieten – leider oft gewaltsam.

Gipfeltreffen – eine Übersicht

Gipfeltreffen-Fahnen-Wolken

Der G20 und G7 Gipfel zählen zu den populärsten Gipfeltreffen (c) iStock.com / Brasil2

Neben den populärsten Gipfeltreffen G7 und G20 gibt es noch etliche andere Gipfel, die die Belange Europas und der Welt betreffen. Wer trifft sich dort wann und wo, und was wird dort eigentlich besprochen, ausgehandelt, gemauschelt und beschlossen? Hier folgt eine Übersicht mit einigen wichtigen Gipfeltreffen und ihren Eckdaten:

G20-Gipfeltreffen

Seit wann? seit 1999
Wie oft? Jährlich
Wo? Präsidentschaft wechselt jedes Jahr, der jeweilige Präsident ist dann auch Gastgeber
Welche Länder? besteht aus Europäischer Union plus 19 andere Staaten inkl. D, F, I, und E
Präsidentschaft wechselt jedes Jahr, der jeweilige Präsident ist dann auch Gastgeber, 2017 Angela Merkel, daher in Hamburg
Wer? Regierungschefs, Finanzminister und Zentralbankchefs
Themen: in erster Linie Weltwirtschaft und Finanzen – je nach Dringlichkeit aber auch Themen wie Bekämpfung von Terror und Armut

G7-Gipfeltreffen

Seit wann? 1976 (davor seit 1975 G6, seit 1973 G5 und G4)
Wie oft? Jährlich
Wo? Im Land, das den jährlich wechselnden Vorsitz innehat
Welche Länder? USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Italien, Japan, von 1998 bis 2014 Russland (in dieser Zeit daher der Name G8)
Wer? Staats- und Regierungschefs
Themen: Weltwirtschaft, bei Bedarf auch andere Themen

WTO-Gipfeltreffen (Welthandelsorganisation)

Seit wann? 1994
Wie oft? Alle zwei Jahre
Wo? Es gibt keine Vorgaben, häufiger bereits in Genf
Welche Länder? 164 Länder
Wer? Wirtschafts-und Handelsminister
Themen: Handel; zum Beispiel Agrar-Abkommen, Bestimmungen zu Einfuhr, Zöllen etc.

OSZE-Gipfeltreffen (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa)

Seit wann? 1995, davor KSZE
Wie oft? Nach Bedarf, zuletzt 2016 in Hamburg
Wo? Vorsitz wechselt jährlich, wenn eine Konferenz stattfindet, dann in dessen Land
Welche Länder? 57; alle Europäer, USA, Kanada, Sowjetrepubliken, und die Mongolei
Wer? Außenminister
Themen: Sicherheit, Rüstungskontrolle, Krisenbewältigung

WEF-Gipfeltreffen (Weltwirtschaftsforum)

Seit wann? 1971
Wie oft? Jährlich
Wo? Davos
Welche Länder? Unterschiedlich, da die Teilnehmer eingeladen werden
Wer? Politiker, Wissenschaftler, Journalisten
Themen: Wirtschaft, Umwelt, Gesundheit

EU-Gipfeltreffen (Europäische Union)

Seit wann? 1969
Wie oft? Mindestens zweimal im Jahr
Wo? Brüssel
Welche Länder? Alle EU-Mitglieder
Wer? Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union
Themen: alle Fragen, die EU betreffend, von Sicherheit bis Finanzen, von Sozialpolitik bis zum Brexit

NATO-Gipfeltreffen (Nordatlantisches Verteidigungsbündnis)

Seit wann? 1949
Wie oft? Alle zwei bis drei Jahre
Wo? Es gibt keine Regelung, zur Not im NATO-Hauptquartier in Brüssel
Welche Länder? 29 Länder Europas und Nordamerikas
Wer? Staats- und Regierungschefs
Themen: alle Themen zur Sicherheit und Verteidigung der NATO-Länder

Andere „Gs“ – eher keine Gipfeltreffen

G2: bezeichnet die Verbindung USA/China
G3, G11, G22, G28 und G36: Gewehre der Bundeswehr von Heckler & Koch
G9: steht für die Anzahl der Schuljahre auf dem Gymnasium bis zum Abitur im 13. Schuljahr (im Gegensatz zu G8)
G23 und G24: Passagierflugzeug der Firma Junkers
G25 und G26: arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen
G30: werksinterne Bezeichnung der BMW 5er Reihe, die seit 2017 im Verkauf ist
G33: Interessenvertretung von hauptsächlich Entwicklungsländern (aus Europa ist nur die Türkei vertreten)
G77: Vereinigung von 135 größtenteils südlichen Ländern aus Afrika, Asien und Mittel- und Südamerika (plus Bosnien-Herzegowina), die die Rechte der 3. Welt auf den Märkten stärken

 

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