„Der Europeana verdanke ich meinen Bachelor-Abschluss!“ – das dürfte so mancher Student rückblickend feststellen, wenn er sein Abschlusszeugnis in den Händen hält. Auch ich gehöre zu den Absolventen, die der Europeana den Studienabschluss zu verdanken haben. Denn für meine Abschlussarbeit brauchte ich dringend Paravicinis „Die Preußenreisen des europäischen Adels“. Problematisch daran: Viele Bibliotheken hatten besagtes Buch nicht im Inventar, nur eine Sammlung hatte das Buch auf der Liste – natürlich war es bereits per Fernleihe ausgeliehen. Mein Dozent gab mir schließlich den Tipp, es doch einfach mal bei der Europeana zu versuchen, tatsächlich hatte die Datenbank das Buch in digitalisierter Form vorliegen – sowohl Band 1, als auch Band 2; die Bachelor-Arbeit war gerettet – dank der Europeana.

Vorgeschichte der Europeana

europeana-bibliothek-buecher

In der Europeana gibt es keine anfassbare, sondern nur digitale Medien (c) iStock.com / clu

Die Idee einer digitalen, zentralen Datenbank in Europa reicht zurück bis ins Jahr 1997. Dort gründete sich unter dem vielsagenden Namen GABRIEL das GAteway and BRIdge to Europe’s National Libraries, das den internationalen Austausch zwischen Wissenschaftlern, Studierenden und Universitäten erleichtern sollte. Im März 2005 ging GABRIEL dann in EDLnet über, das European Digital Library NETwork. Trotz der Existenz eines Netzwerks, das bereits fachübergreifende Informationen zur Verfügung stellte, beschlossen die führenden EU-Staatschefs zusammen mit dem Präsidenten der EU-Kommission, Jose Manuel Barroso, die zahlreichen nebeneinander existierenden Projekte zur Digitalisierung von Wissen unter einer Flagge zu vereinen und so das kulturelle Erbe Europas jedermann zugänglich zu machen.

 

Die Europeana wächst stetig

Aufgrund finanzieller Förderung der EU-Kommission konnte eine Beta-Version der Europeana mit rund 4,5 Millionen digitalisierten Objekten und circa 1000 teilnehmenden Institutionen am 20. November 2008 online gehen. Das Interesse an einer zentralen, europäischen Wissens-Datenbank, die auch abseits vom Schengener Abkommen den Austausch zwischen den Wissenschaften fördert, war groß: Schon nach wenigen Stunden ging die Europeana unter 10 Millionen Seitenaufrufen pro Stunde in die Knie. Erst nach zahlreichen technischen Upgrades und einer deutlichen Erhöhung der Serverkapazität konnte die Beta-Version der Europeana im Dezember 2008 wieder online gehen, ehe im Frühling des Folgejahres endlich die offizielle europeana.eu an den Start ging. Bis zum Jahr 2010 waren dann zehn Millionen Objekte in der Datenbank digitalisiert – Deutschland steuerte zu diesem Zeitpunkt rund 17 Prozent des Contents der Europeana bei.

Wie funktioniert die Europena?

Die Europeana funktioniert nach einfachen Prinzipien und erinnert von der Grundstruktur an Wikipedia:

  • Sammeln: Die Europeana versucht möglichst viele Daten, die zum kulturellen Erbe Europas gehören, in digitaler Form anzubieten. Dazu gehören nicht nur Bücher oder Bildmedien, sondern auch Ton- und Videodateien. In der Europeana kann nicht jedermann veröffentlichen, sondern nur die angeschlossenen Institutionen wie Universitäten oder Forschungseinrichtungen.
  • Aufbereiten: Nicht alle eingespeisten Dateien können ohne Probleme verwendet werden. Zahlreiche Dateien, vor allem Bücher, müssen noch einmal überarbeitet werden, bevor sie auf der Europeana veröffentlicht werden.
  • Bereitstellen: Sind alle Dateien geprüft und für gut befunden worden, können sie auf der Europeana veröffentlicht werden. Auf die Dokumente, die in der Datenbank gelagert sind, kann jedermann zugreifen, viele Downloads von Büchern, Bilder und Videos sind nur über ein Universitäts- oder Forschungseinrichtungsnetzwerk möglich.

Was bietet die Europeana?

Dabei ist die Europeana lediglich eine übergeordnete Datenbank, die auf untergeordnete Datenbanken zugreift. So sind zum Beispiel zahlreiche deutsche Universitätsbibliotheken im Verbund der Europeana, weshalb man oft von der eigentlichen Europeana-Seite zu einer Uni-Bibliothek weitergeleitet wird, wenn man einen Blick ins Buch werfen möchte.

Was finde ich alles in der Europeana?

europeana-buecherregal-buecher

In der Europeana sind tausende Bücher digitalisiert (c) iStock.com / luoman

Das Wissensspektrum, dass in der Europeana angeboten wird, ist riesig: Es reicht von der europäischen Vor- und Frühgeschichte bis in die Gegenwart, zudem lässt sich sicher auch etwas über die europäische Küche finden. Wie bereits erwähnt finden sich in der Datenbank neben vollständig digitalisierten Büchern auch tausende Bild- und Tondokumente, die zum kulturellen Erbe Europas gehören.
Aufgrund weiterhin steigender Nutzerzahlen und Contentdichte ist die EU mit der Europeana auf einem guten Weg, um die Digitalisierung der wissenschaftlichen Welt weiter voranzutreiben – und noch die eine oder andere Bachelorarbeit zu retten.