Als eine von vielen Harmonisierungsrichtlinien des EU Parlaments regelt die Druckgeräterichtlinie (DGRL) 97/23/EG die Anforderungen an Druckgeräte, wie Druckbehälter und Rohrleitungen, innerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes. In einer Neufassung wird diese nun durch die Richtlinie 2014/68/EU ersetzt, welche aber die Grundlagen der Druckgeräterichtlinie beibehält. Die Betreiberprüfstellen, als TÜV bekannt, kontrollieren die Anlagentechnik gemäß der EU Richtlinie.

Druckgeräterichtlinie Messverfahren Gerät

Die Einführung der Druckgeräterichtlinie hat zur stärkeren Überprüfung von Anlagetechniken geführt (c) iStock.com / energyy

Zur Entstehungsgeschichte der Druckgeräterichtlinie

Die verschiedenen Mitgliedstaaten pflegen unterschiedliche Rechtsvorschriften bezüglich Sicherheit und Gesundheitsschutz. Dies kann sich auf den Handel innerhalb der Gemeinschaft hemmend auswirken. Um dies zu verhindern, wird versucht, nationale Rechtsvorschriften zu harmonisieren, wie dies auch im Falle von europäischer Werkstoffzulassung und eben der Druckgeräterichtlinie geschah.

Beginn der Druckgeräterichtlinie

Chronologisch betrachtet begann der lange Weg bereits im Jahre 1871 mit den ersten allgemeinen Bestimmungen für Dampfkessel, die später in diversen Werkstoff- und Bauvorschriften niedergeschrieben wurden. Erst 1980 traten genau definierte Verordnungen für die Anlagentechnik mit Dampfkessel und Druckbehälter in Kraft. Zwölf Jahre später wird die Europäische Richtlinie 87/404/EWG für einfache Druckbehälter beschlossen. 1999 wird schließlich die Europäische Druckgeräterichtlinie 97/23/EG für Druckbehälter und Rohrleitungen eingeführt. Wenig später lösen zugelassene Überwachungsstellen als organisationsbezogenes Prüfwesen das personenbezogene Prüfwesen durch Sachverständige ab.

Strengere Druckgeräterichtlinie seit 2002

Seit 2002 dürfen nur mehr Druckgeräte mit entsprechendem CE-Zeichen im Handel sein. 2004 tritt zusätzlich das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz in Kraft, 2011 abgelöst durch das Produktsicherheitsgesetz, das die Sicherheitsanforderungen von technischen Verbraucherprodukten und Arbeitsmitteln regelt. Nach dem Produktsicherheitsgesetz ist eine Markteinführung eines Produktes nur erlaubt, wenn dessen Verwendung weder die Sicherheit noch die Gesundheit von Personen gefährdet. Die Druckgeräterichtlinie basiert wiederum auf dem Produktsicherheitsgesetz. In der Werkstoffzulassung Europas werden zusätzlich die einzelnen Werkstoffe, die zur Herstellung der Druckgeräte verwendet werden, festgehalten und die gesamte Anlagentechnik durch Betreiberprüfstellen (TÜV) kontrolliert. Aktuelle Statistiken verdeutlichen die Notwendigkeit des Produktsicherheitsgesetzes.

Geltungsbereich der Druckgeräterichtlinie

Gültig für Baugruppen und Druckgeräte, deren maximal zulässiger Druck über 0.5 bar liegt, umfasst die Druckgeräterichtlinie Entwurf, Fertigung und Konformitätsbewertung.

Zu den Druckgeräten gehören:

  • Druckbehälter, welche unter Druck stehende Fluide aufnehmen
  • Rohrleitungen als Leitungen für unter Druck stehende Fluide
  • druckhaltende Ausrüstungsteile
  • Ausrüstungsteile mit Sicherheitsfunktionen

Unter Fluide werden nicht nur Flüssigkeiten zusammengefasst, sondern ebenso Dämpfe, Gase oder auch Mischungen von Gasen mit Flüssigkeiten.

Nicht unter die Druckgeräterichtlinie fallen jedoch u. a.:

  • Antriebe von Luft- und Wasserfahrzeugen
  • kerntechnische Geräte
  • Netze für die Wasserentsorgung und -versorgung
  • Druckgeräte mit flexiblen Umhüllungen wie z.B. Luftkissen und aufblasbare Boote
Druckgeräterichtlinie Rohrleitungen Bar

Die Druckgeräterichtlinie wird auch auf Rohrleitungen angewendet (c) iStock.com / tonivaver

Rechtsvorschriftenangleichung über Druckgeräte

Bis zum 19. Juli 2016 müssen alle Neuerungen der Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU umgesetzt werden. Solange ist die alte Druckgeräterichtlinie in Kraft. Einige Änderungen greifen jedoch schon seit Juni 2015. Erweitert hat sich der Kreis der betroffenen Personen, auf die die Richtlinie angewendet wird. Zusätzlich zu den Händlern, Herstellern und Importeuren von Druckgeräten werden nun auch Bevollmächtigte für Hersteller aus Drittländern miteinbezogen. Die Druckgeräterichtlinie gilt weiterhin für alle Druckgeräte von mehr als 0.5 bar. Dabei werden die Geräte vier Gefährdungskategorien zugeordnet. Angewendet wird die Druckgeräterichtlinie wie gewohnt auf Druckbehälter, Rohrleitungen, beheizte Druckgeräte zur Erzeugung von Heißwasser und Dampf, sowie auf diverse Ausrüstungsteile.

 

Seit dem 1. Juni 2015 erfolgt bereits die Gefährlichkeitseinstufung nach der erneuerten Druckgeräterichtlinie. Dies ist auch für die Konformitätserklärung des Herstellers und die damit verbundenen Konformitätsbewertungsverfahren gültig. Ansonsten ist der Stichtag der 19. Juli 2016, an dem die betroffenen Hersteller ihre Dokumentation gemäß den neuen Richtlinien ergänzt und angepasst haben müssen. Der Marktüberwachungsbehörde muss nun über einen Zeitraum von zehn Jahren belegt werden, von wem die Druckgeräte bezogen wurden. Weiters wurden bestimmte Brgrifflichkeiten verändert. So wird zum Beispiel in Zukunft vom Hersteller nicht mehr eine Gefahrenanalyse, sondern eine Risikoanalyse. durchgeführt werden. Bestehende Bescheinigungen behalten übrigens ihre Gültigkeit.

Umsetzung der neuen Druckgeräterichtlinie

Unterstützung bei der Umsetzung der Rechtvorschriftenangleichung der Druckgeräterichtlinie bietet unter anderem der Technische Überwachungsverein, kurz TÜV. Die Anlagentechnik wird durch objektive Betreiberprüfstellen geprüft, deren unparteiische Mitarbeiter die entsprechenden Konformitätsbewertungsverfahren durchführen. Diese Konformitätsbewertungsverfahren werden durch Angaben von Modulen bzw. Modulkombinationen beschrieben, um die grundlegenden Anforderungen des jeweiligen Produkts nachzuweisen. Betreiberprüfstellen (TÜV) sind neben den Konformitätsbewertungsverfahren auch für Einzelgutachten von Werkstoffen und somit für die Werkstoffzulassung zuständig. Für die einzelnen Werkstoffkomponenten der Druckgeräte ist eine Werkstoffzulassung notwendig.

 

Weiterlesen in den Europa News